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Mit Commisario Brunetti durch Venedig

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Mit einem>venezianischen Finale< fing alles an. Die amerikanische Autorin Donna Leon legte 1993 den ersten Fall ihres Kommissars Brunetti vor, ließ ihn mit wachen Sinnen durch die Gassen von Venedig streifen und neben illegal ausgebauten Dachwohnungen auch die Hintergründe für den merkwürdigen Tod eines bekannten Stardirigenten aufdecken. Ganz nebenbei sicherte sich Brunetti als Liebhaber einer gediegenen venezianischen Küche, als Kenner der Lokalkolorits seiner Stadt, als Freund der Einheimischen und als durchaus nachdenklicher Hobbyphilosoph einen Platz im Herzen der Lesenden. Brunetti bekam viel zu tun, in regelmäßigen Abständen legte Donna Leon neue Fälle des Ermittlers vor, keinesfalls alle mit wirklich überzeugenden Plots und oft  holprig in der Beweisführung. Doch das Interesse an Brunetti und seinem Alltag, an den Mordfällen in Venedig war längst geweckt. Bald bekam Brunetti auch ein Gesicht im Fernsehen, ebenso wie seine aus reichem Haus stammende selbstsichere Frau und die beiden halbwüchsigen Kinder.

Da versteht es sich fast von selbst, dass auch andere auf der Erfolgswelle von Brunetti mitschwimmen wollen, ist er doch längst eine gewinnträchtige Marke geworden. Jetzt hat die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Toni Sepeda, Kollegin von Donna Leon, einen Führer durch das Venedig Brunettis vorgelegt. Sie kennt die Sehenswürdigkeiten und die Geschichte der Serenissima, sie flicht die jeweiligen Informationen ganz geschickt ein, doch ihr Buch besteht vor allem aus Zitaten und Reflexionen von Brunetti, gerade so, als sei er nicht Fiktion und gut erfunden, sondern leibhaftig präsent in der Lagunenstadt. Ebenfalls seit vielen Jahren leitet sie auf Englisch Führungen durch die Heimatstadt des Comissario. Es sind die einzigen von Donna Leon autorisierten Touren, die ihr auch ein Vorwort gewidmet hat, weil eine Hand bekanntlich die andere wäscht und das Buch ein Kassenschlager werden soll.

Für Toursiten, die einen Eindruck von der Schönheit und Einmaligkeit Venedigs erhalten wollen, ist dieser Führer mit seiner speziellen Blickrichtung nicht geeignet. Für Liebhaber der Bücher von Donna Leon ist es eine Wiedergabe einzelner Episoden, den Gassen und Winkeln zugeordnet, die Brunetti durchstreift. Morde und Giftmüllskandale halten sich nicht an bekannte Reviere, sie geschehen auch weit außerhalb der Schauseite der Stadt, sie geschehen auf der Giudecca, auf den anderen Inseln, irgendwo auch im Bannkreis der Questura oder unweit von Brunettis Haustür.In dem Sinn führt das Buch über die ausgetretenen Touristenpfade zwischen San Marco und Rialto hinaus. Der Charme der Kriminalfälle rund um den Kommissar Brunetti  liegt in der authentischen Schilderung des venezianischen Alltags,  in der genauen Kenntnis der Topographie der Stadt. Ähnlich hautnah, ähnlich authentisch schilderte das Autorenduo Fruttero und Lucentini in seinem wunderbaren Venedig-Roman “Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz” seinerzeit  die Orte des Geschehens, so dass man die Gassen und Läden mit dem Buch in der Hand mühelos finden konnte.

Quelle: www.literaturnetz.com

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