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Archive für 11.12.2009
Die Botschaft des Schlaraffenlands liegt in der Žitná-Straße in Prag
11.12.2009 von Klassenfahrt Blogger.

Ein Beitrag von Georg Pacurar auf TSCHECHIEN ONLINE
Nach den vielen Jahren in Prag, als dutzendfacher Gastgeber von Verwandten, Freunden und Freundesfreunden habe ich mich schon daran gewöhnt, als Insider herzuhalten. Trotzdem gibt es Fragen, die mich immer noch in Verlegenheit bringen. Die schlimmste: “Wo kann ich das Auto stehen lassen?” Noch dazu, wenn es zentral, sicher und “günstig” sein soll. Gleich danach kommt die, wo man “so richtig schön böhmisch essen” kann. In dieser Beziehung hat sich in den letzten Jahren aber zum Glück Vieles zum Besseren gewandelt. Immer wieder entdecke ich, zufällig oder Tipps follgend, eine hospoda, die ich guten Gewissens weiter empfehlen kann. Eine meiner der jüngeren Entdeckungen auf diesem Gebiet ist das U Pravdů in der Žitná-Straße, ganz nah am Karlsplatz (Karlovo náměstí). Schon beim ersten Besuch, vor rund einem Jahr, überzeugte mich das Lokal, vor allem was Küche und Ambiente betrifft. Zuletzt konnte ich mich Mitte November wieder davon überzeugen, dass hier auf die Erfüllung von Fleisch- und Knödelträumen Verlass ist, wie sie mich im Herbst und Winter regelmäßig heimsuchen. Zu so einem böhmischen Essen gehört natürlich ein ordentliches Bier. Das bestellen wir noch, während uns die Bedienung an den reservierten Tisch im Raucherteil platziert. Mein Bekannter nimmt ein Pilsner Urquell, ich dagegen habe Lust auf das unpasteurisierte Bernhard, das sie hier auch führen. Kühl und anständig gezapft, kann das Lager aus der Privatbrauerei in Humpolec es mit jedem Spitzenbier in Tschechien oder sonstwo aufnehmen. Es ist kurz nach St. Martin, und der Gänsebraten lockt hochsaisonal von der Tageskarte. Die Wahl erweist sich jedoch leider als nicht mehrheitsfähig, weil mein Gegenüber stur an seinen U-Pravdů-Gepflogenheiten festhält und es auf die “Staročeská bašta” abgesehen hat - eine Art böhmisches Best-of vom Grill und aus dem Ofen, mit viel Rot- und Weißkraut und unterschiedlichen Knödeln dazu. Nach einigem Hin und Her habe ich mich für die gebratene Schweinshaxe entschieden, aber dann erfahre ich, dass die kleinste Portion etwa zwei Kilo wiegt. Zwei Kilo? Allein? Ich frage die Bedienung nach einer Alternative, etwas, das sie empfehlen könnte. Sie zeigt ohne Zögern auf das Blatt mit den Grill-Spezialitäten, gegrillte Rippchen in Chili-Honig-Sauce. Das Fleisch sei “so zart, dass es sich selbst von den Knochen löst”. Bei so viel Entgegenkommen muss ich einfach bestellen. Ob das original-böhmisch ist oder nicht, lässt mich in diesem Augenblick kalt. Zuvor noch, als ersten Gang, nehmen wir eine Rindersuppe mit Nudeln, die so lecker ist, als hätte sie die Babička gekocht. Kompliment, genau so soll Hausmacherkost schmecken. Was dann aufgefahren wird, könnte einer Schlaraffenland-Phantasie entstammen: Die Rippchen, tiefbraun geröstet, stapeln sich auf der breiten Platte zu einem stattlichen Hügel auf. Aus dem Teller daneben wehen die Düfte von würzigem Rotkohl, Ente, Räucherfleisch und Schweinebraten herüber. Beim Anblick der Mengen von Fleisch überkommt mich die Befürchtung, die Hälfte stehen lassen zu müssen. Doch schon nach dem ersten Bissen ist die verflogen. Wahrscheinlich hätte ich auch die Haxe geschafft. Ich weiß es nicht und bin froh darüber.
Ganz sicher ist U Pravdu bei der nächsten Klassenfahrt nach Prag (>www.est-reisen.de/prag) einen Besuch wert.
Geschrieben in Klassenfahrten, _CZ PRG, Blogroll | Keine Kommentare »